Über die verschiedenen Betten, in denen wir aufwachen

Hotelbett, aber du bist nicht im Urlaub

Du öffnest die Augen und der Geruch von frisch gestärkter Wäsche steigt in deine Nase. Deine Beine sind in dem Laken verknotet, das deine Haut vor der Decke schützen soll. Warum tut dein Kopf so weh?

Habe ich gestern getrunken?

Den Gedanken über die Anzahl der Menschen, die auf dieser Decke schon ejakuliert haben, schiebst du soweit bei Seite wie möglich. Griff zum Handy. Bildschirm zu hell. Sieben Uhr dreißig.

Wo ist die Agenda? Ich kann sicherlich während der Keynote essen.

Du erinnerst dich, dass du dir den Rotwein im Flieger dreimal hast nachschenken lassen.

Deswegen der Schädel.

Nackte Füße auf dem Teppichboden. Auch den Gedanken schiebst du bei Seite. First things first. Badezimmer, um die Reise abzuwaschen.

Hmm schöne Seife – nehme ich mit na Hause.

Ein Bett in deinem Haus, aber nicht deins

Du hast kaum geschlafen, weil entweder jemand aufs Klo musste oder du gegen die Wand geknallt bist, die du nicht gewohnt bist.

Alle stehen schon um sechs Uhr auf, weil das Kind schon seit fünf dringlichst Aufmerksamkeit einfordert.

Die Kleine kommt zu dir ans Bett und hällt eine Zeichnung in deinem Gesicht und erzählt darüber in lose zusammenhängenden Sätzen. Du versuchst dich daran zu erinnern, was du über Kinderpsyhologie gelesen hast und wie man Kinder behandeln muss, um sie vor dem Einfluss ihrer Eltern zu retten. Du holst sie dann einfach noch ins Bett und hoffst, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen – frühkindliche Prägung und noch ein bischen schlafen.

„So! Frühstück in fünf Minuten“

Hat er gerade in die Hände geklatscht? Wer klatscht in die Hände beim Reden?

Du willst noch gar nicht essen.

„Wo ist dein Toaster?“

„Ich habe keinen.“

„Wie kann man keinen Toaster haben?!“

Hat er gerade geschnaubt? Wer schnaubt einen anderen Erwachsenen an?

Du entscheidest dich, den Therapietermin auf keinen Fall ab zu sagen und schon mal mitzuschreiben.

Ein Bett auf einem anderen Kontinent

Es ist fünf Uhr morgens und du fühlst dich nicht nur ausgeschlafen, sondern auch voller Tatendrag.

„Das mache ich jetzt immer so!“

Du gibst dich ganz der Fantasie hin, dass du jetzt eine morning person bist. Du entscheidest dich, dass du es zuhause einfach so weiter durchziehen wirst. Dann wirst du joggen und dich zum Frühstücken an den Tisch setzten. Endlich kannst du die Tageszeitung abonieren.

Jetzt aber krabbelst du erst mal nur leise aus dem Bett und setzt dich auf die große Fensterbank. Die Stadt liegt dir zu Füßen und du bist dankbar, dass du keine Höhenangst hast. Du siehst die ersten Menschen in Bewegung.

Das sind die anderen morning people.

Genau unter dir, zwischen den Hochhäusern und der Straße, versteckt sich ein Tempel. Du kannst genau sehen, was im Hof und vor dem Altar passiert.

Erst tippelt eine junge Frau im Rockanzug zu dem Altar und bleibt davor stehen.

Wie war noch mal die Abfolge? Klatschen, beugen, noch mal klatschen?

Sie beendet ihr Gebet und du hoffst, dass es um eine Gehaltserhöhung ging. Eine Gruppe Schüler samt Lehrerin joggen in den Tempel und stellen sich in die Mitte des großen Platzes und fangen mit Frühsport an.

Die sind ja süß.

Du legst den Kopf auf die Knie und sitzt noch ein bischen und wartest auf die nächsten Akteure. Alles ist wie im Film. Alles ist genau so, wie du es dir vorgestellt hast.

Das Bett deiner Eltern – du bist ein Kind

Du wachst auf und fühlst den Arm deiner Mutter. Du glaubst, du hast eben im Traum noch nach ihr geschlagen und die Berührung ihrer weichen, warmen Haut hat dich aufgeweckt.

Alles ist noch etwas unscharf und du weißt nicht mehr, wie du hier gelandet bist.

Das Bett riecht so betörend nach Schweiß, dem Parfüm deiner Mutter und Bettwärme.

Jetzt schaust du auf ihren Rücken und es tut dir leid mit dem Schlagen.

„Das wollt ich nicht. Bitte sei nicht böse.“

Das Bett deiner Eltern – du bist ein Erwachsener

Es ist Abend und du sitzt neben ihr auf der Decke, mit dem Rücken gegen das Kopfende geleht und einem Weinglas in der Hand. Sie liegt unter der Decke mit dem Kopf in einem 90 Grad Winkel auf das Kissen gestützt. Es sieht für dich sehr unbequem aus, aber sie scheint ganz weich eingesackt zu sein, als ob ihre Schultern keinen wiederstand leisten würden.

Sie schaut hoch in dein Gesicht und sieht so glücklich aus. Du fühlst dich, als hättest du etwas erreicht.

Du machst einen blöden Witz. Sie reißt die Knie ein bisschen hoch und wirft den Kopf in den Nacken beim Lachen. Du weißt, es war gar nicht so lustig aber es kümmert sie nicht.

„Kann ich dir noch was bringen?“

Sie schüttelt den Kopf.

„Bleib einfach … und erzähl noch ein bischen.“

All pictures made by me on a Canon EOS 300 film camera. The film is Canon Gold Plus ISO 200 ( I think).

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